Mein Jakobsweg, der erste Tag fast 29 Kilometer und 550 Meter kummulierter Höhenanstieg

Was für ein Anfang. Wir fuhren nach einem ruhigen Frühstück zu meinem Startpunkt der Abbaye de Montmajor. Ich hatte mir die Abbaye etwas kleiner vorgestellt, so wie die  vielen anderen Klöster die es in unserer Gegend gibt. Was uns dann nach 10 Minuten Autofahrt erwartete war wahrhaft monumental und erinnerte mich wegen der Optik ein wenig an das Heidelberger Schloss, welches wir zusammen mit meiner Tochter Nina vor zwei Jahren besichtigt hatten.

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Der Gebäudekomplex war wirklich beeindruckend und obwohl vollkommen unmöbliert, auf jeden Fall einen Besuch wert.

So war der Zeitaufwand auch größer als vorhergesehen und ich war erst gegen 12 Uhr letztendlich bereit zum Aufbruch.

Nachdem Ellipirelli mich abgesetzt hatte, sollte ich laut Plan einen Reiterhof passieren und dann durch einige Hügel Richtung Fontvieille wandern. Schon hier viel die spärliche Beschilderung auf  und da ich leider vergessen hatte die hiesigen Karten auf mein Wandernavi zu laden, war mein Jakobsweg wohl etwas anders als der Weg der anderen Wanderer. Nichts desto trotz erreichte ich Fontvieille recht schnell, was mich dazu veranlasste meinen ersten Erfolg mit einem kleinem Pression zu würdigen.

Nach 15 Minuten ging es weiter und so erreichte ich gegen 14 Uhr den Point of Decision, wie man so schön sagt.

Sollte ich mich jetzt schon auf dem erreichten Campingplatz zur Ruhe begeben und den ersten Tag damit abschliessen oder sollte ich es wagen die Strecke durch die Berge der Alpillen nach St. Remy de Provence in Angriff zu nehmen..

Ich hatte zwar schon 6 Kilometer mit  4 km/h hinter mir, aber vor mir lagen 23 Kilometer bis St. Remy und das durch die Alpillen.

Wer nichts wagt der nicht gewinnt, also dann man los , auch wenn es bedeuten könnte, das ich es nicht schaffe und irgendwo in den Bergen auf dem Boden übernachten müßte, ohne Essen und vor allen Dingen ohne Wein. Schreckliche Vorstellung, aber ich wollte es mir beweisen.

Nach 2 Kilometern den Berg hoch bereute ich schon meine Entscheidung, zumal ich mich das erste Mal ein wenig verlief.

Nachdem ich den rechten Weg wiedergefunden hatte ging es weiter durch die Wälder der Alpillen. Kilometer um Kilometer gefühlt mehr bergauf als bergab und wegen der Breite des Weges leider immer in der Sonne.  Meine Energie ließ so langsam nach und so sehnte ich jedes neue Schild mit Kilometerangaben herbei.

So gegen 18 Uhr erreichte  ich dann ein Schild welches mir vorgauckelte es wären nur noch 7 Kilometer nach St. Remy. Hier traf ich dann auch wieder die ersten Menschen, Tiere hatten sich wegen der   Sonne eh ist Unterholz verkrochen und waren daher nicht aufgetaucht. Leider handelte es sich um Mountainbiker, die schnell denn Weg lang düsten und  meine Motivation nicht wirklich hochpuschten.

Na Ja , wo ein Wille da auch ein Weg und so trottete ich weiter die Berge hoch und runter, immer in der Hoffnung , das dies zumindest das letzet Mal hoch wäre. Irgendwann ging es dann wirklich nur noch runter. Vorher hatte ich mich noch leicht verlaufen und mußte wieder zurück. Die Abkürzung erwies sich als sogenannte End Challenge und forderte den Rest meiner Energie.

Anschliessend ging es nur noch Bergab und sogar auf normalen Strassen, aber das konnte meine Füße in keiner Weise beruhigen, sie hatten einfach die Schnautze voll von dem Menschen oberhalb mit seiner bekloppten Idee.

Zur Unterstützung meldeten sich auch noch die Schultern die den immer schwerer werdenden Rucksack nur noch satt hatten.

Wenn ich dann mal einen Stein fand um mich zu setzen und den Rucksack auszog , kam ich mir vor wie ein Astronaut auf dem Mond. Ich mußte aufpassen nicht abzuheben vor lauter Leichtigkeit. Dafür war das nachfolgende Aufschultern des  Rucksacks umso schlimmer.

Man soll  es kaum glauben, aber irgendwann erreichte ichSt. Remy und nahm das erste Hotel, an dem ich vorbei kam.

Etwas anders, aber nicht zu teuer und mit einem großen Bett.

Essen gab es leider nicht und so mußte ich wieder zu Fuss Richtung Stadtcentrum laufen. Zum Glück gab es schon nach 300 Metern ein Lokal, viel weiter wäre ich auch nicht gekommen.

Dachte erst es wäre geschlossene Gesellschaft, aber die Bedienung meinte, wenn es für mich wegen der Musik okay wäre könnte ich gerne bei ihr essen.

Sie erklärte mir, die Gesellschaft wären lauter Krankenschwestern die ein Seminar hätten und zu einer Verkaufsveranstaltung einer Pharmafirma eingeladen wären, sozusagen eine Tupperparty für Krankenschwestern.

Was solls, das Essen war okay und ich eh müde genug, so dass ich dann irgendwann happy in meinem Zimmer und Bett ankam.

Ich verwöhnte meine Füße und Waden noch einmal mit etwas Franzbranntwein und freute mich auf eine erholsame Nacht.

In diesem Sinne :  Bon Nuit!!!!!!

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