Der dritte Tag, 23 Kilometer mit nur 30.000 Schritten. Weiß gar nicht wie ich das gemacht habe

Irgendwie habe ich wohl heute meinen Motivationstiefpunkt. Nachdem ich so eine halbe Stunde halb geschlafen habe, geht es nun besser und ich kann meinen Tagesbericht schreiben.

Am frühen Morgen wurde ich durch das prasseln des angekündigten Regenwetters geweckt und ich beschloss, noch etwas im Bett zu bleiben, zumal die Wirtin mir ein Frühstück bis 10 Uhr zu gestanden hatte. Um halb 10 tauchte ich dann im Gastraum der Fernfahrerkneipe auf. Mein italienischer Brummi Pilot, der mich gegen Mitternacht zu zwei letzten Weinchen eingeladen hatte war natürlich schon weg, da er ja um 8 Uhr in Cavaillon seine Ladung abliefern musste. Er hatte mir jedoch fest versprochen, dass er mit seinem Wohnmobil vorbeikommen wollte und super Pasta für mich kochen würde.

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So fand ich mich allein in der Kneipe mit der Bedienung und, ach ja einem weiteren Bekannten von gestern Abend, der mir an der Theke stolz Bilder von seiner einjährigen Tochter gezeigt hatte. Die Mutter war wohl die Bedienung von gestern, auf die er wohl aufpasste wenn sie noch spät in der Fernfahrerkneipe arbeitete.

Nach dem Frühstück packte ich mein Zeugs und versuchte, aus Gründen der Optimierung, so viel Gewicht als möglich nach unten zu packen.

Gegen halb elf trottete ich los und versuchte am Rande der N7 lebend weiter zu kommen. Das klappte zum Glück und ab Orgon war ich dann wieder abseits der Hauptstraße auf dem wahren Jakobsweg unterwegs.

Ich bemerkte auch freudig, dass meine Optimierungsarbeiten sichtlich Erfolg zeigten und meine Schultern die Situation akzeptierten. Dafür rebellierten heute meine Füße umso mehr. Leichte Regenschauern konnten meine Motivation auch nicht heben und so erreichte ich nach 2 Stunden ziemlich kaputt Cavaillon. Die Stadt lag schon zu Römerzeiten und auch heute noch mittig auf der Achse Lyon Marseille und war daher ein bedeutendes Transportzentrum der Römer. Auch heute gibt es hier noch genügend LKW s und Speditionen

Was macht ein guter Franzose mittags, Essen natürlich und ich beschloss als eingebürgerter Südfranzose das nächste Bistro aufzusuchen. Mein Nachbar genoss gerade das bekannte französische Gedeck,  Pastis und anschließend ein Viertel Rose, plus Menue natürlich.

Ich gab mich mit einem Pression zufrieden und bestellte einen Salatteller mit Poulet, welcher so groß ausfiel das ich es nicht schaffte ihn auf zu essen.

Die Sicht zum Himmel veranlasste mich beim Aufbruch zumindest meine Windjacke anzuziehen, was auch zunächst mit Regentropfen belohnt wurde. Dann überlegte es sich das Wetter jedoch anders. Nach 1 Kilometer war ich nass  geschwitzt. Also Rucksack wieder runter und Jacke aus . Man muss dazu sagen, dass Rucksack runter ja auch zwangsläufig bedeutet, Rucksack wieder rauf. Und Rucksack wieder rauf ist schon verdammt blöd bei 20 Kilo und keiner Mauer in der Nähe.

Ich kam aus der Stadt heraus nachdem ich mich kurz verlaufen und den rechten Weg Jakobs verloren hatte. Böse Zungen könnten behaupten, dies könnte an einer jungen Südfranzösin liegen, die in einem feschenTrainingstrikot ziemlich selbstbewusst mit ihrem Hund vor mir her spazierte.

Dann folgte ca. 8 Kilometer fast schnurgerader Weg nach Coustellet. Tafeln am Rand wiesen mich darauf hin das ich mich auf der berühmten Via Domitia bewegen würde. Leider war sie inzwischen geteert, was gar nicht gut für meine Füße war. Sie streikten immer mehr und gaukelten mir diverse Blasen vor.

Ich versuchte die in den letzten Wochen gelernten Meditationstechniken von Mister Russel. Aber selbst das volle Einlassen auf den Schmerz brachte nicht den gewünschten Erfolg. So beschloss ich 5 Kilometer vor meinem angestrebten Ziel abzuklären ob das einzige Hotel bereit wäre mir ein Zimmer zu geben. Sie waren es nicht, weil ausgebucht. Mist, also dann die einzige Alternative der Campingplatz den ich vor ca 2,5 Kilometern passiert hatte. Der Patron hatte ein Mobilhome für mich für 30€, aber leider nichts zu essen. Nur Bier und Wein hätte er genügend da.

Die offene Gastscheune des Campingplatzes war so ein Mittelding zwischen Obstsortierraum, Lagerschuppen und etwas Platz für die Gäste. Aber es gab Free Wifi und außerdem war die Saison ja noch nicht im Gang , was den Patron entschuldigte.

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Beim Biertrinken fand ich dann die Karte eines Pizzaservices, die aber erst ab 2 Pizzen liefern würden. Die Bedienung hatte auch Hunger und bestellte sich eine Pizza mit und wir hatten die nötigen zwei zusammen.

Die Pizza und selbst der Wein konnten mich nicht aus meinem Motivationstal holen und erst nach besagtem Kurzschlaf ging es besser. Zum Glück war zu der vorhandenen Blase keine  weitere hinzugekommen und mit dem bekannten Franzbranntwein konnte ich meine Schultern verwöhnen.

Damit Schluss für heute. Drückt mir die Daumen das es morgen besser läuft.

Bon Nuit !!!!!

Die Sonne hat mich geweckt, das schöne Wetter ist zurück. Noch ein letzter Gang zur Vielzweckhalle und dann werde ich mich auf den Weg machen und mein Mobilheim zurücklassen. Klemmende Türen, unebener Boden , kaputte Fensterbeschläge haben mich überzeugt, dass das nichts für La Batie wäre . Dafür war die Matraze sehr gut und das Wasser warm, was für mich die beiden wichtigsten Positionen waren.  Bei behandeln meiner großen Fersenblase stellte mit dem extra mitgeführten Blasenpflastern stellte ich fest, dass neben der nicht vorhandenen Größe ein weiteres Problem bestand. Die wahrscheinlich chinesischen  Lieferanten der Firma Lidl hatten hier eindeutig Gewinnmaximierung betrieben, indem sie nur 2/3 der Einzelpackungen mit Pflastern befüllt hatten.

Nach meinen Erfahrungen in China hatte ich auch nichts anderes erwartet.

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4 Kommentare zu „Der dritte Tag, 23 Kilometer mit nur 30.000 Schritten. Weiß gar nicht wie ich das gemacht habe“

    1. Dann seid ihr ja nicht so weit weg. Können ja dann im Oktober was schnacken.
      Die Schuhsohlen halten diesmal besser als bei unserer Wanderun vor vielen Jahren mit Ramona.
      Die Sohlen sind noch dran, aber die Haut an einer Ferse nicht mehr.

      Liebe Grüße aus Apt auch an Moni

      Michael

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