Der fünfte Tag, 25 Kilometer, 480 kumulierte Höhenmeter und wieder nur 30.000 Schritte

Irgendwie habe ich mich wohl inzwischen eingelaufen und brauche weniger Schritte trotz Höhenanstieg. Morgens sah es zwar noch nicht so aus, als ob ich in Form wäre, denn meine Fersenblase schmerzte schon stark. Ich trottete also los und versuchte das Zentrum von Apt zu umgehen, da wie jeden Samstag, der sehr beliebte Markt stattfand. Da wir beide selbst vor 5 Wochen dort waren, war mir klar, dass ich mit dem Rucksack nur sehr langsam durch das Gedränge kommen würde. Also immer brav am Rand lang.

Die Schmerzen am rechten Fuß veranlassten mich, den Jakobsweg über Saignon nicht zu gehen, da dies einen Anstieg von 300 Metern zur Dorfbesichtigung und direkt anschließenden einen dem entsprechenden Abstieg bedeutet hätte. Ich beschloss stattdessen wieder meiner bekannten Veloroute zu folgen, bis der Jakobsweg wieder zu mir stoßen würde. Doch erst einmal brauchte ich eine Apotheke, um mir ein vernünftiges Fersenpflaster zu besorgen. Eine liebe Bekannte vom letzten Skiurlaub hatte mir per Whats App den Tipp gegeben es mit Compeed Pflastern zu versuchen, was mir beim Apotheker ein Lob einbrachte, weil auch er der Meinung war, das seien die Besten. Danke noch einmal Brigitte.

Nachdem ich das Pflaster gemäß Anweisung befestigte hatte, war ich gespannt was passieren würde. Es wirkte wirklich.Wie hoch der physische Anteil, bzw. der psychische Anteil war vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls war es auch nach 24 Kilometern noch an der gleichen Stelle wie am Morgen und ich hatte die Strecke bemerkenswert problemlos geschafft.

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Die Veloroute war zwar bedeutend eintöniger als die schönen Waldwege der Alpillen, war aber für meine geplagten Füße eine Erholung. So trottete ich dann Kilometer für Kilometer Richtung Cereste, vorbei an surrealistischen Teermalereien der Arbeiter des Conseil General, alten Bahnhöfen der Eisenbahnlinie auf der die  Veloroute gebaut war, Lavendelfeldern und avantgardistischen Installationen  von Einzelkämpfern mit Velobackground. Die alte Wohnwagenbar war leider geschlossen und so trottete ich weiter.

Plötzlich kamen mir zwei andere Wanderer entgegen. Die beiden erklärten mir, dass sie wie ich auf dem Chemin de Compostelle unterwegs waren, nur in die richtige Richtung. Sie wären vor 15 Tagen an der italienisch/französischen Grenze, dem Pass Montgenevre  losgegangen und wären auf dem Weg Richtung Arles. Wir wünschten uns noch Bon Rando bzw. Chemin und liefen in verschiedene Richtungen weiter.

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Es folgten viele Kilometer ohne einen Menschen aber mit viel schöner Natur.

Als mir irgendwann klar wurde das wohl für heute Cereste mein Maximalpunkt sein würde, beschloss ich, mir eine Unterkunft in diesem Ort zu suchen. Ich bekam am Telefon die Auskunft noch frei, aber könnten sie bis vier da sein, denn wir müssen dann weg.

Bei ca. 6 Kilometern Distanz war es für mich schwierig dies zu beantworten und wir beschlossen uns um halb vier noch einmal kurz zu kontakten. Es stellte sich heraus, ich schaffe es nicht, auch deshalb, weil ich mich noch einmal kurz verlief. Diesmal nicht wegen einer hübschen Französin mit Hund, sondern wegen eines schönen Orts den ich versehentlich für Cereste hielt.

Ich bekam noch eine halbe Stunde Aufschub, nachdem ich verkündete, dass ich am Fuße des Hügels angekommen sei  auf dem Cereste wohl liegen müsste.

Den steinigen Weg den Hügel hinauf musste ich dann fast hoch joggen, um in der Zeit zu bleiben. Dies gestaltete sich natürlich mit 20 Kilo auf dem Rücken etwas schwierig. Ich meldete gegen Ende der halben Stunde Verlängerung, Dorfschild passiert, erste Häuser in Sicht. Die Dame des Hauses sagte, super,  wir sind gegenüber der Kirche zu finden.

Ich war happy, ahnte jedoch nicht, dass der Dorfkern mit Kirche noch rund 1,5 Kilometer entfernt waren, was den Zeitplan der Vermieter etwas durcheinander brachte. Wir alle waren happy, als ich dann ankam und nach kurzer Einführung verabschiedeten sich die Vermieter auf ihre Tour.

Das Haus und auch das Zimmer waren sehr schön und 100 Prozent das Gegenteil von meinem Naturcampingplatz bei Coustoullet. Das Vermieterpaar hatte mich noch mit einem Heineken ausgestattet und mir alle Lichtschalter etc. gezeigt und so kam ich selbst und allein zurecht.

Ich beschloss das wundervolle Ambiente zunächst einmal dazu zu nutzen, mich in der Badewanne von den Strapazen des Tages zu erholen. Ich glaube ich habe fast 40 Jahre nicht mehr so ein Teil benutzt. Auf jeden Fall erinnerte es mich an meine Kindheit in Aldekerk vor mehr als 55 Jahren. Sehr entspannend nach so einer Wanderung und ich wäre fast eingeschlafen.

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Aber essen wollte ich auch noch und vor allen Dingen, meinen Bericht diesmal vor Mitternacht ins Netz bekommen. Also raus aus der Wanne und rein in die Klamotten und runter ins Dorf.

Bei zwei kleinen Pression hatte ich den Anfang des Berichts fertig. Bei der Suche nach einem Lokal für meinen Magen kam ich an einer Platane vorbei, die sich scheinbar seit Jahren dagegen wehrte, dass irgendein französischer Idiot, ein großes Thermometer an ihr befestigt hatte. Das Thermometer ging schon lange nicht mehr, konnte aber nicht mehr entfernt werden. Ich werde in den nächsten Jahren mal nachschauen wann die Platane das Thermometer ganz verspeist hat. Ach ja das Lokal für meinen Magen. Was soll ich sagen, ich fand eins, fühlte mich wohl wegen des schönen Ambientes sehr wohl, hab super lecker französisch gegessen und dürfte auch noch bei einem Wein bleiben um diesen Bericht zu schreiben.

 

Jetzt bin ich müde, zufrieden mit dem Tag und dem Essen und habe wieder mal intensiv gespürt  wie gerne ich in Südfrankreich lebe. Ach ja und die in Deutschland  schon nicht mehr existenten SPAR   Läden gibt hier immer noch.

Schlaft gut und bis morgen,

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4 Kommentare zu „Der fünfte Tag, 25 Kilometer, 480 kumulierte Höhenmeter und wieder nur 30.000 Schritte“

  1. Ich habe mit allem gerechnet aber nicht damit! Eine geniale Idee, lieber Michael. Ich zolle dir meinen großen Respekt und wünsche dir viele schöne Eindrücke, viel Spaß und Freude während deinem Weg nach Hause… wie gesagt, geniale Idee…

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