Der sechste Tag, wieder 24 Kilometer, aber diesmal mit 660 Metern Anstieg und bis zu 20% Steigung und 31.000 Schritten

Nach einem super Frühstück mit perfektem selbstgebackenen Brot und einer Marmeladenauswahl vom Feinsten verabschiedete ich mich kurz vor 10 Uhr von meinen netten Gastgebern um Richtung Reillanne aufzubrechen. Ich hatte vor mindestens bis St. Michel l`Observatoire zu kommen und falls ich dort früh genug wäre, noch die 7 Kilometer nach Marne in Angriff zu nehmen. Doch dazu mehr später.

Kurz hinterm Dorf ging es links ab in die Campagne. Die nächste Station war die Abbaye de Carluc und die Wanderwegweiser zeigten mir, dass es mehrere Wege zur Abbaya gab. Der Jakobsweg war der längste in der Auswahl, und das sollte auch im weiteren Verlauf des Tages so bleiben. Der christliche Glaube war eben noch nie der einfachste Weg.

Aber zu früh ankommen macht auch keinen Spaß und so folgte ich dem wahren Jakobsweg. Ich überquerte die alte römische Brücke von Cereste und erfuhr, dass deren wahres Alter erst vor 20 Jahren bekannt und erforscht wurde. Sie war wohl genau wie die Pont Julien vor Apt , fast 2000 Jahre alt. Diese Brücke wurde auch immer noch als Straßenbrücke genutzt, wenn auch auf 2,5 Tonnen beschränkt, aber immerhin, die deutschen Autobahnbrücken halten nicht so lange.

Dann ging es auf Jakobsumwegen weiter zur Abbay, die sich als Halbruine entpuppte aber trotzdem noch interessant war. An diesem Platz hatten wohl schon die Druiden, lange vor unserer Zeitrechnung, ihre Feten abgehalten.

 

Die nächsten Kilometer führten über Schotterpisten, mal schmal, mal breit aber immer ansteigend. Die Sonne brannte und der angekündigte Mistral war leider noch nicht bis zum Boden durchgekommen. Es war ja noch relativ früh am Tag und ich meisterte die teigung mit Bravour.

Nach  3 Stunden erreichte ich Reillane und wunderte mich über die vielen Autos. Nach dem ich noch kurz ein paar Open Air Kunstwerke eines passionierten Schweißers bewundert hatte erfuhr ich den Grund.

Reillane war en Fete das ganze Weekend. Nachfolgend ein paar kurze Eindrücke. Ich persönlich finde die Dame mit dem Drachen sehr schön. Sie schritt mit stoischer Ruhe durch die Menschenmassen und ihr Hippiefreund folgte versteckt hinter ihr, den Schwanz des Drachen mit einer Stange bewegend. Er hatte offensichtlich seine Erfüllung gefunden denn er lächelte als sei er im Paradies. Irgendwie wieder so ein Aussteigerpärchen, wie sie irgendwie typisch für die Provence sind.

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Ich zog weiter meines Jakobsweges und erreichte schnell das freie Feld. Lange Zeit passierte nichts, bis ich mich mal wieder verlief. An einer schwierigen Stelle war ich dem Hauptweg gefolgt, der sich aber bald in einen schmalen Pfad verwandelte. Das allein will ja noch nichts heißen, aber nach einiger Zeit zeigte ein Blick aufs GPS das ich falsch war. Also wieder zurück zum richtigen Weg, denn mein Navi zeigte mir das eine Abkürzung wegen eines Taleinschnitts nicht möglich war. Die Stelle hatte dann auch keinerlei Hinweis, dass man rechts in einen schmalen Pfad abbiegen musste. Erst hinter einem Baum kam dann auch wieder ein Wegzeichen.  Nachfolgend noch einmal die Situation als Photo und die Frage wo wäret ihr wohl längs gegangen.

Es folgte ein langer Weg über wunderschöne schmale Waldwege. Herrlich das war dann doch schöner als die Veloroute.

Plötzlih sah  ich etwas, was ich eher als Minibunker aus der Eifel kannte. Aber was sollte ein solcher Bunker mitten im Luberon. Beim reinschauen in die Öffnung erkannte ich die Tiefe des Bunkers  und wußte das es sich um einen überdachten Brunnenschacht handelte.Die Kette überzeugte mich dann letztendlich.

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Dann ein Stück leider entlang der Landstraße, um dann steil den Berg hoch Richtung Lincel weiter zu gehen. Hier kam ich dann etwas an meine Grenzen und hätte mich am liebsten mit dem Rucksack in die Ecke geschmießen.

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Aber wie immer ging es weiter in der Hoffnung in Lincel gäbe es eine Bar Tabac mit einem kühlen Pression. Mitnichten. Stattdessen wieder die Wegauswahl. Ich nahm wieder den wahren, aber langen Jakobsweg. War zwar anstrengend aber auch einfach schöner als auf blöden Landstrassen längs zu latschen.

Dann kam leider mein Navi an seine sprichwörtlichen Grenzen, denn die Karte die ich geladen hatte war einfach zu Ende. Also weiter a la carte , wie man so schön sagt. Dummerweise hörten zu gleichen Zeit auch die Wegmarkierungen auf und so wurde die Navigation in der recht undursichtigen Landschaft doch schwierig.

Was soll ich sagen, irgendwann sah St. Michel und stapfte den Berg hoch Richtung Ortschaft. Leider hatte es inzwischen der Mistral ( Nordwind der Provence ) bis zum Boden geschafft und versuchte mich davon abzuhalten. Er hat es nicht geschafft und ich erreichte den Marktplatz mit der typischer Kinderkirmes,  Village en fete wie vorher. Die Südfranzosen feiern eben gern.

Endlich mein Pression in der Bar Tabac. Auf die Frage nach einem Hotel meinte der Patron de Tabac, ich sollte in der Eisdiele nachfragen, die hätten ein Hotel ca. 200 Meter entfernt. Machte ich dann auch und folgte dem Eisdielenbesitzer auf dem Weg zum Hotel, denn da wäre sonst niemand.

Was soll ich sagen , trotz erheblicher Bedenken entpuppte sich das Hotel als super, gerade neu renoviert.

Der Tag war perfekt. Ausruhen, Duschen und dann Essen gehen.

Auch das Essen war wieder super. Irgendwie haben die Franzosen es drauf selbst in der kleinsten Dorfkneipe ein super Ambiente zu schaffen, total französisch eben.

 

ICH LIEBE FRANKREICH

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4 Kommentare zu „Der sechste Tag, wieder 24 Kilometer, aber diesmal mit 660 Metern Anstieg und bis zu 20% Steigung und 31.000 Schritten“

  1. Das ist ja wohl bis jetzt der schönste Weg… ich wünsche dir weiterhin so tolle Eindrücke und Begegnungen! Und vor allem gute Blasenpflaster und ne große Portion Ausdauer…. freue mich, mit Spannung, auf deinen heutigen Bericht! Lieben Gruss Ilona

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