Der vierte Tag, 24 Kilometer plus 6 gefuschte mit 30.000 Schritten

Am Anfang möchte ich noch einen Link meines Fliegerkumpels Holger Linnartz zum Thema  Nationalstraße 7 einfügen. Mit diesem Chanson im Ohr wäre ich wahrscheinlich die National 7 lang geschwebt.

Nach fast einer Stunde, wegen des ach so schnellen Internets hatte ich dann endlich meinen Lagebericht von gestern online gestellt und versucht meine Rechnung zu begleichen. Leider dürfte auf diesem Campingplatz nur der Patron denken und der war mal gerade wieder für eine halbe Stunde „  who knows  „ .  Um elf Uhr war ich dann wieder auf der befahrenen Landstraße von gestern und kämpfte mich zu meinem  Abbruchpunkt von gestern zurück.

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Die Landstraße war mal wieder eine Prüfung, da sie recht schmal war und stark befahren. Dazu kam, dass die französischen Straßenarbeiter , Conseil General  genannt, in vielen Jahren durch, Learning by Doing, eine spezielle Technik für die Erneuerung der Straßen entwickelt hatten. Sie ließen die alte kaputte Fahrbahndecke einfach als soliden Untergrund bestehen und machten einfach eine neue Decke oben drauf.  Eigentlich eine super Idee, wenn man nicht am Rand derselben lang wandern muss.

Seit dem letzten Krieg waren ja schon ein paar Jahre vergangen und dementsprechend viele Erneuerungen nötig. Das Ergebnis war an vielen Straßen eine extrem hohe Kante am Rand. Diese Kanten waren leider nicht immer durch Müll und Dreck ausgeglichen worden, so dass man immer aufpassen musste sich nicht den Fuß abzuknicken.

Nach einer guten halben Stunde war ich wieder am gestrigen Point of Return. Von dort und zwischen Coustellet und Beaumettes bewegte ich mich auf einer perfekten Velo-Autobahn und erntete viele mitleidige Blicke der vorbeidüsenden Fahrradfahrer. Die Sonne brannte gnadenlos, da die Piste wohl noch recht neu war und keine großen Bäume als Schattenspender besaß.

Zum Glück hatte ich ja kurz vorher einen neuen Sonnenhut erstehen können und ich kontrollierte permanent meinen Schatten um zu sehen ob er noch da war. Hat auch etwas meditatives die ganze Zeit dem Schatten seines Hutes hinterherzulaufen.

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Nach fast zwei Stunden hatte ich dann endlich das Hotel erreicht, in dem ich gestern ein Zimmer buchen wollte. Zum Glück war nichts frei gewesen, denn bis dahin hätte ich es nicht mehr geschafft. Die Inhaberin erklärte mir aber, heute hätte sie was frei ich könnte ja bleiben, wozu ich um die Zeit noch keine Lust hatte.

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Weiter ging es unter herrlichem Segelfliegerhimmel Richtung Apt zu meinem nächsten strategischen Ziel der Pont Julien Romain. Ich erspare euch die vielen Versuche über Internet, Telefon oder Booking.com eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Auch das Internet auf La Batie hatte sich gegen mich verschworen, so daß auch Ellipirelli mir nicht helfen konnte.

Ich erreichte die Brücke, die wirklich sehr sehenswert war und beschloss einfach weiter zu gehen um zu sehen ob der Reiterhof, den ich als Ziel hatte, vielleicht doch auf hatte. Er hatte nicht, war quasi von der Bildfläche verschwunden und war deshalb auch nicht mehr telefonisch erreichbar.

Also ein letzter Versuch per Booking.com und ????? kein 3G und null Erfolg. Also weiter wandern bis wieder besserer Empfang verfügbar war. Es ging nach 500 Metern und ich konnte ein Zimmer bei Ibis Budget buchen, sogar kostenfrei stornierbar, falls ich vorher zusammenbrechen würde, da die 5 Kilometer zuviel gewesen wären,IMG_5766

Der rettende Engel kam in Form eines GLS Fahrers, den ich bei seiner Abholung in der Pampa ansprach und der mich bis zum Ibis Hotel in Apt mitnahm.

Jakob verzeih, wegen der 6  getürckten Kilometer. Jetzt weiß ich auch wieder die gefühlte und echte Differenz zwischen 6 gelaufenen oder per Auto gefahrenen Kilometern.

 

Der dritte Tag, 23 Kilometer mit nur 30.000 Schritten. Weiß gar nicht wie ich das gemacht habe

Irgendwie habe ich wohl heute meinen Motivationstiefpunkt. Nachdem ich so eine halbe Stunde halb geschlafen habe, geht es nun besser und ich kann meinen Tagesbericht schreiben.

Am frühen Morgen wurde ich durch das prasseln des angekündigten Regenwetters geweckt und ich beschloss, noch etwas im Bett zu bleiben, zumal die Wirtin mir ein Frühstück bis 10 Uhr zu gestanden hatte. Um halb 10 tauchte ich dann im Gastraum der Fernfahrerkneipe auf. Mein italienischer Brummi Pilot, der mich gegen Mitternacht zu zwei letzten Weinchen eingeladen hatte war natürlich schon weg, da er ja um 8 Uhr in Cavaillon seine Ladung abliefern musste. Er hatte mir jedoch fest versprochen, dass er mit seinem Wohnmobil vorbeikommen wollte und super Pasta für mich kochen würde.

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So fand ich mich allein in der Kneipe mit der Bedienung und, ach ja einem weiteren Bekannten von gestern Abend, der mir an der Theke stolz Bilder von seiner einjährigen Tochter gezeigt hatte. Die Mutter war wohl die Bedienung von gestern, auf die er wohl aufpasste wenn sie noch spät in der Fernfahrerkneipe arbeitete.

Nach dem Frühstück packte ich mein Zeugs und versuchte, aus Gründen der Optimierung, so viel Gewicht als möglich nach unten zu packen.

Gegen halb elf trottete ich los und versuchte am Rande der N7 lebend weiter zu kommen. Das klappte zum Glück und ab Orgon war ich dann wieder abseits der Hauptstraße auf dem wahren Jakobsweg unterwegs.

Ich bemerkte auch freudig, dass meine Optimierungsarbeiten sichtlich Erfolg zeigten und meine Schultern die Situation akzeptierten. Dafür rebellierten heute meine Füße umso mehr. Leichte Regenschauern konnten meine Motivation auch nicht heben und so erreichte ich nach 2 Stunden ziemlich kaputt Cavaillon. Die Stadt lag schon zu Römerzeiten und auch heute noch mittig auf der Achse Lyon Marseille und war daher ein bedeutendes Transportzentrum der Römer. Auch heute gibt es hier noch genügend LKW s und Speditionen

Was macht ein guter Franzose mittags, Essen natürlich und ich beschloss als eingebürgerter Südfranzose das nächste Bistro aufzusuchen. Mein Nachbar genoss gerade das bekannte französische Gedeck,  Pastis und anschließend ein Viertel Rose, plus Menue natürlich.

Ich gab mich mit einem Pression zufrieden und bestellte einen Salatteller mit Poulet, welcher so groß ausfiel das ich es nicht schaffte ihn auf zu essen.

Die Sicht zum Himmel veranlasste mich beim Aufbruch zumindest meine Windjacke anzuziehen, was auch zunächst mit Regentropfen belohnt wurde. Dann überlegte es sich das Wetter jedoch anders. Nach 1 Kilometer war ich nass  geschwitzt. Also Rucksack wieder runter und Jacke aus . Man muss dazu sagen, dass Rucksack runter ja auch zwangsläufig bedeutet, Rucksack wieder rauf. Und Rucksack wieder rauf ist schon verdammt blöd bei 20 Kilo und keiner Mauer in der Nähe.

Ich kam aus der Stadt heraus nachdem ich mich kurz verlaufen und den rechten Weg Jakobs verloren hatte. Böse Zungen könnten behaupten, dies könnte an einer jungen Südfranzösin liegen, die in einem feschenTrainingstrikot ziemlich selbstbewusst mit ihrem Hund vor mir her spazierte.

Dann folgte ca. 8 Kilometer fast schnurgerader Weg nach Coustellet. Tafeln am Rand wiesen mich darauf hin das ich mich auf der berühmten Via Domitia bewegen würde. Leider war sie inzwischen geteert, was gar nicht gut für meine Füße war. Sie streikten immer mehr und gaukelten mir diverse Blasen vor.

Ich versuchte die in den letzten Wochen gelernten Meditationstechniken von Mister Russel. Aber selbst das volle Einlassen auf den Schmerz brachte nicht den gewünschten Erfolg. So beschloss ich 5 Kilometer vor meinem angestrebten Ziel abzuklären ob das einzige Hotel bereit wäre mir ein Zimmer zu geben. Sie waren es nicht, weil ausgebucht. Mist, also dann die einzige Alternative der Campingplatz den ich vor ca 2,5 Kilometern passiert hatte. Der Patron hatte ein Mobilhome für mich für 30€, aber leider nichts zu essen. Nur Bier und Wein hätte er genügend da.

Die offene Gastscheune des Campingplatzes war so ein Mittelding zwischen Obstsortierraum, Lagerschuppen und etwas Platz für die Gäste. Aber es gab Free Wifi und außerdem war die Saison ja noch nicht im Gang , was den Patron entschuldigte.

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Beim Biertrinken fand ich dann die Karte eines Pizzaservices, die aber erst ab 2 Pizzen liefern würden. Die Bedienung hatte auch Hunger und bestellte sich eine Pizza mit und wir hatten die nötigen zwei zusammen.

Die Pizza und selbst der Wein konnten mich nicht aus meinem Motivationstal holen und erst nach besagtem Kurzschlaf ging es besser. Zum Glück war zu der vorhandenen Blase keine  weitere hinzugekommen und mit dem bekannten Franzbranntwein konnte ich meine Schultern verwöhnen.

Damit Schluss für heute. Drückt mir die Daumen das es morgen besser läuft.

Bon Nuit !!!!!

Die Sonne hat mich geweckt, das schöne Wetter ist zurück. Noch ein letzter Gang zur Vielzweckhalle und dann werde ich mich auf den Weg machen und mein Mobilheim zurücklassen. Klemmende Türen, unebener Boden , kaputte Fensterbeschläge haben mich überzeugt, dass das nichts für La Batie wäre . Dafür war die Matraze sehr gut und das Wasser warm, was für mich die beiden wichtigsten Positionen waren.  Bei behandeln meiner großen Fersenblase stellte mit dem extra mitgeführten Blasenpflastern stellte ich fest, dass neben der nicht vorhandenen Größe ein weiteres Problem bestand. Die wahrscheinlich chinesischen  Lieferanten der Firma Lidl hatten hier eindeutig Gewinnmaximierung betrieben, indem sie nur 2/3 der Einzelpackungen mit Pflastern befüllt hatten.

Nach meinen Erfahrungen in China hatte ich auch nichts anderes erwartet.

Der zweite Tag, schon wieder 24 Kilometer, 150 Meter kummulierte Höhe und 41000 Tausend Schritte

Auch der zweite Tag meiner Wanderung ist nun zu Ende und nachdem ich nun gesättigt am Rande der Nationalstrasse 7 sitze, habe ich endlich die Zeit den Tag Revue passieren zu lassen. Die Autos donnern mit genügend Krach vorbei, so dass ich nicht Gefahr laufe einzuschlafen.

Trotz der Anstrengungen des Vortages wachte ich relativ früh auf und versuchte zuerst einmal zu erfühlen ob meine Füße wieder einigermaßen einsatzfähig wären. Alles fühlen half nichts, ich musste aus dem Bett  und siehe da es ging wieder bei weitem besser, als am Vorabend, als ich das Gefühl hatte ich wäre behindert.

Also runter zum Petit Dejeuner, wo ich mich an einer langen Tafel zusammen mit den anderen Gästen und dem Patron wiederfand. Na ja, die Länge der Tafel hielt sich Grenzen, da wir nur 5 Gäste waren.

Ein älteres englisches Pärchen, das seit 15 Jahren Stammgast war und ein französisches Paar, welches bald zum ach so berühmten Wochenmarkt von St .Remy entschwand. Ich war also mit dem Patron alleine und wir unterhielten uns über alles Mögliche. Nachdem ich ihm sagte, dass ich viele schöne Häuser gesehen hätte meinte er, dass man die richtig schönen nie sehen könnte, da sie so abgeschirmt wären. Gerade hätte Hughes Grant ein Haus für mehrere Millionen gekauft.

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War jetzt für mich nicht so wichtig und so unterhielten wir uns über die Probleme mit den Behörden bei der Unterhaltung von Schwimmbädern und den Sinn und Unsinn einer automatischen  Chlor Dosierung . Ich gab ihm noch eine gute Internetadresse mit dem günstigsten Preis für ein solches Teil und machte mich langsam daran aufzubrechen.

Bei der Bezahlung meinte er mein nächstes Ziel Eygalieres ( laut Plan 13 Kilometer ) wäre gar nicht so weit weg und so brach ich frohen Mutes auf.

Irgendwie hatten wir andere Vorstellungen von gar nicht so weit. Es dauert ewig bis ich mein  erstes Zwischenziel, den Flugplatz von St. Remy erreichte. Leider gab es keinerlei Flugbetrieb und auch an Schatten mangelte es leider. Bei einer kurzen Rast stellte ich fest,  das das Schmerzproblem am rechten Fuß von einer Blase herrührte, aber was sollte ich machen. Ich ignorierte die Blase einfach, was mir nicht schwerfiel auf Grund der anderen Problemstellen.

Mir schwante fürchterliches und so schleppte ich mich nach kurzer Rast weiter.

Irgendwann erreichte ich dann ziemlich kaputt den Ort und setzte mich in ein Kaffee um mich zu stärken. Sandwich gab es nicht und so wurde dieses durch ein zweites Pression ersetzt, was dazu führte, dass ich beim weg gehen meinen Sonnenhut vergaß. Leider schrie die Bedienung nicht hinter mir her und so realisierte ich 3 Kilometer weiter, dass sich an meinem Schatten etwas verändert hatte. Der Kopf sah irgendwie anders aus und mein nachtasten ergab, dass der Hut fehlte. Kismet.

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Irgendwie brachte mir die Sonne dann bald auch eine neue Erkenntnis, als ich wieder einmal nach Wegmarkierungen suchte. Schau dich ab und zu mal um, denn dann sie du die Zeichen für die wahren Jakobspilger,  die in die richtige Richtung gehen. Scheint so als ob deren Ankommen wichtiger ist als der Verrückten die es anders herum versuchen.

Dies beweist mal wieder das verkehrt herum denken oft neue Erkenntnisse bringt.

Der weitere Weg unter teilweise bedeckten Himmel führte dann zu einer Diskussion zwischen mir, meinen Füssen und meinen Schultern, bezüglich der potentiellen Belastbarkeit. Meine Füße hatten wohl inzwischen trotz der Blase aufgegeben, bzw. erkannt, dass sie weiter laufen müssten, falls sie ankommen wollten um Ruhe zu haben.  Meine Schultern hofften wohl immer noch, dass ich auf Grund der Vielzahl der Schnallen an meinem Rucksack in der Lage wäre, die Gewichtsbelastung des 20 Kilo Rucksacks zu reduzieren. ( Böse Stimmen behaupten, Alles über 12 Kilo wäre Wahnsinn, aber wegschmeissen wollte ich Noch !!!! nichts ).    Ich versuchte dann übers Internet, wow was ist heute alles möglich, Wege der Optimierung zu erforschen, fand aber nichts wirklich Hilfreiches.

Na ja, ich musste und wollte weiter und so hoffte ich das die Sonne Gnade walten lassen würde. Sie tat es leider nicht und die letzten Kilometer zogen sich mehr und mehr,

Kurz vor Orgon machte der Jakobsweg dann noch einen christlichen Schwenker nach rechts durch die schöne Landschaft. Die Verdoppelung der Distanz zu meinem Ziel und der Zustand meiner Füße und Schultern führte jedoch dazu, dass ich den direkten Weg über die Landstraße bevorzugte. Ich hoffe Jakob wird mir das verzeihen.

Auch wenn die Franzosen auf mich fast so viel Rücksicht nahmen wie auf Motorradfahrer, führte die Breite der Straße, die nicht genügend Platz bot für zwei Autos und einen schier unnötigen Wanderer, zu einigen brenzligen Situationen.

Irgendwann erreichte ich endlich Orgon. Ein schöner kleiner Ort, nur leider kein Hotel in der Nähe des Zentrums, wo ich mich gerade befand. Also weiter gewandert bis zur Nationalstraße 7, wo ich in einer Bar nach einem Hotel fragte. Der Wirt meinte ca. 1 Kilometer Richtung Senas gäbe ein solches.

Also dann mal los. Bald ging es wirklich nicht mehr und ich hielt bei einem Gebrauchtwagenplatz an.

Der Nordafrikanische Südfranzose bot mir zuerst einmal eine Flasche kalten Wassers an und meinte auf meine Frage nach einem Taxi, das Hotel wäre nur noch einmal 500 Meter weiter.

Ich muss wohl ziemlich verzweifelt dreingeschaut haben, denn er bot mir an mich dahin zu fahren.

Er war sichtlich beindruckt von der Tatsache, dass ich so alleine diese Distanzen wandern würde und meinte zu seinem Kollegen das wäre doch eine tolle Sache um den Alltagsmist los zu werden.

Das Hotel war eine Fernfahrerkneipe und ich ergatterte für 51€ ein Zimmer inclusive Abendessen und Frühstück. Auch Wlan war kostenlos verfügbar. Quelle luxe! Ich bekam den Schlüssel, eine Fernbedienung für die Klimaanlage und eine für den Fernseher.

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Das Abendessen war Fernfahrermäßig sättigend und mit ausreichend Wein versehen, so dass ich jetzt entspannt den Tagesblog schreiben kann.

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Die Jungs sind gerade etwas in Rage wegen des Fußballspiels Frankreich gegen jemand anderes, weil es passiert nichts, aber es geht und man kann noch schreiben, obwohl ich wegen etwas Regen nach drinnen wechseln musste.

So langsam ist auch dieser Tag zu Ende und ich bin mal gespannt was der für Morgen angekündigte Regen so macht. Ich denke ich werde meine Distanz morgen etwas verkürzen um meinem Zustand und dem Wetter gerecht zu werden.

Mein Jakobsweg, der erste Tag fast 29 Kilometer und 550 Meter kummulierter Höhenanstieg

Was für ein Anfang. Wir fuhren nach einem ruhigen Frühstück zu meinem Startpunkt der Abbaye de Montmajor. Ich hatte mir die Abbaye etwas kleiner vorgestellt, so wie die  vielen anderen Klöster die es in unserer Gegend gibt. Was uns dann nach 10 Minuten Autofahrt erwartete war wahrhaft monumental und erinnerte mich wegen der Optik ein wenig an das Heidelberger Schloss, welches wir zusammen mit meiner Tochter Nina vor zwei Jahren besichtigt hatten.

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Der Gebäudekomplex war wirklich beeindruckend und obwohl vollkommen unmöbliert, auf jeden Fall einen Besuch wert.

So war der Zeitaufwand auch größer als vorhergesehen und ich war erst gegen 12 Uhr letztendlich bereit zum Aufbruch.

Nachdem Ellipirelli mich abgesetzt hatte, sollte ich laut Plan einen Reiterhof passieren und dann durch einige Hügel Richtung Fontvieille wandern. Schon hier viel die spärliche Beschilderung auf  und da ich leider vergessen hatte die hiesigen Karten auf mein Wandernavi zu laden, war mein Jakobsweg wohl etwas anders als der Weg der anderen Wanderer. Nichts desto trotz erreichte ich Fontvieille recht schnell, was mich dazu veranlasste meinen ersten Erfolg mit einem kleinem Pression zu würdigen.

Nach 15 Minuten ging es weiter und so erreichte ich gegen 14 Uhr den Point of Decision, wie man so schön sagt.

Sollte ich mich jetzt schon auf dem erreichten Campingplatz zur Ruhe begeben und den ersten Tag damit abschliessen oder sollte ich es wagen die Strecke durch die Berge der Alpillen nach St. Remy de Provence in Angriff zu nehmen..

Ich hatte zwar schon 6 Kilometer mit  4 km/h hinter mir, aber vor mir lagen 23 Kilometer bis St. Remy und das durch die Alpillen.

Wer nichts wagt der nicht gewinnt, also dann man los , auch wenn es bedeuten könnte, das ich es nicht schaffe und irgendwo in den Bergen auf dem Boden übernachten müßte, ohne Essen und vor allen Dingen ohne Wein. Schreckliche Vorstellung, aber ich wollte es mir beweisen.

Nach 2 Kilometern den Berg hoch bereute ich schon meine Entscheidung, zumal ich mich das erste Mal ein wenig verlief.

Nachdem ich den rechten Weg wiedergefunden hatte ging es weiter durch die Wälder der Alpillen. Kilometer um Kilometer gefühlt mehr bergauf als bergab und wegen der Breite des Weges leider immer in der Sonne.  Meine Energie ließ so langsam nach und so sehnte ich jedes neue Schild mit Kilometerangaben herbei.

So gegen 18 Uhr erreichte  ich dann ein Schild welches mir vorgauckelte es wären nur noch 7 Kilometer nach St. Remy. Hier traf ich dann auch wieder die ersten Menschen, Tiere hatten sich wegen der   Sonne eh ist Unterholz verkrochen und waren daher nicht aufgetaucht. Leider handelte es sich um Mountainbiker, die schnell denn Weg lang düsten und  meine Motivation nicht wirklich hochpuschten.

Na Ja , wo ein Wille da auch ein Weg und so trottete ich weiter die Berge hoch und runter, immer in der Hoffnung , das dies zumindest das letzet Mal hoch wäre. Irgendwann ging es dann wirklich nur noch runter. Vorher hatte ich mich noch leicht verlaufen und mußte wieder zurück. Die Abkürzung erwies sich als sogenannte End Challenge und forderte den Rest meiner Energie.

Anschliessend ging es nur noch Bergab und sogar auf normalen Strassen, aber das konnte meine Füße in keiner Weise beruhigen, sie hatten einfach die Schnautze voll von dem Menschen oberhalb mit seiner bekloppten Idee.

Zur Unterstützung meldeten sich auch noch die Schultern die den immer schwerer werdenden Rucksack nur noch satt hatten.

Wenn ich dann mal einen Stein fand um mich zu setzen und den Rucksack auszog , kam ich mir vor wie ein Astronaut auf dem Mond. Ich mußte aufpassen nicht abzuheben vor lauter Leichtigkeit. Dafür war das nachfolgende Aufschultern des  Rucksacks umso schlimmer.

Man soll  es kaum glauben, aber irgendwann erreichte ichSt. Remy und nahm das erste Hotel, an dem ich vorbei kam.

Etwas anders, aber nicht zu teuer und mit einem großen Bett.

Essen gab es leider nicht und so mußte ich wieder zu Fuss Richtung Stadtcentrum laufen. Zum Glück gab es schon nach 300 Metern ein Lokal, viel weiter wäre ich auch nicht gekommen.

Dachte erst es wäre geschlossene Gesellschaft, aber die Bedienung meinte, wenn es für mich wegen der Musik okay wäre könnte ich gerne bei ihr essen.

Sie erklärte mir, die Gesellschaft wären lauter Krankenschwestern die ein Seminar hätten und zu einer Verkaufsveranstaltung einer Pharmafirma eingeladen wären, sozusagen eine Tupperparty für Krankenschwestern.

Was solls, das Essen war okay und ich eh müde genug, so dass ich dann irgendwann happy in meinem Zimmer und Bett ankam.

Ich verwöhnte meine Füße und Waden noch einmal mit etwas Franzbranntwein und freute mich auf eine erholsame Nacht.

In diesem Sinne :  Bon Nuit!!!!!!

Arles, Sightseeing vor dem Start, morgen Früh

Heute sind wir dann bei bestem Segelflugwetter Richtung Arles aufgebrochen. Schon witzig, daß immer dann das schönste Segelflugwetter ist, wenn man etwas anderes vorhat. Na ja zum Sightseeing waren die fast 30 Grad Außentemperatur auch nicht wirklich geeignet.

So hielten sich die Aktivitäten dann auch in Grenzen und wir waren recht früh auf dem städtischen Campingplatz. So hatte ich genügend Zeit mir meine Wanderoute auf den Karten zu markieren.Ein Kabelbrand in der Kühlbox unseres Camp-Vitos unterbrach diese Aktivität kurzfristig und sehr plötzlich, aber er steht noch, zum Glück. Auch der Kühlbox war es wohl zu heiß um weiterzuarbeiten.IMG_5611

Beim Abendessen dann, wie so oft in den letzten Tagen, der Blick auf Meteoblue.

So,So, alles kann und hoffentlich Nichts muß. Na ja, vor dem Abendessen kam dann zuerst einmal eine kurze Schauer, die uns einen schönen Arc du Ciel bescherte.


Das wärs zuerst einmal für heute. Die englischen Fussballfans hier in der Campinplatzkneipe laden einen nicht wirklich zum weiteren verweilen ein und so geh ich dann mal so langsam schlafen und träum von meinem Jakobsweg.

Morgen geht´s los auf meinen Jakobsweg

Die Sachen sind gepackt und alles ist vorbereitet. Mal sehen wie das Wetter so mitspielt und wie weit ich dann wohl komme. Entgegen der normalen Richtung des Jakobsweges werde ich in Arles beginnen und Richtung Sisteron wandern. Da mein Ziel nicht irgendeine Wallfahrtsstätte ist, sondern mehr der Weg als solches, habe ich mir gedacht, das es weitaus  motivierender ist Richtung La Batie zu wandern, als davon weg. Trotzdem liegen rund 230 Kilometer vor mir von der Rhone bei Arles bis nach La Batie. Es geht durch die Berge der Alpillen  und dann ins Durancetal hinunter, um dann über den Luberon nach Apt und Forqualquier zu gelangen. Anschliessend wieder ins Durancetal nach Sisteron. Die letzte Strecke führt dann vorbei am Beaume nach St. Geniez um dann über Nibles endlich wieder auf La Batie anzukommen.

Jakobsweg ist irgendwie wohl so etwas in Mode im Moment, aber irgendwie auch ein Synonym für die Suche Vieler nach dem mehr im Leben, als nur zu funktionieren. Einfach mal mit Distanz zum normalen Alltag die Tage verbringen mit dem kurzfristigen Ziel einfach die nächste Etappe zu schaffen und weiter zu kommen. Auch wenn, wie in meinem Fall die Distanz zum Alltag  nicht so groß ist, dass ich auf alle neuzeitlichen Dinge wie Handy und Laptop verzichten werde, so ist es doch eine Zeit der Ruhe mit hoffentlich vollkommen neuen und anderen Eindrücken als im normalen Alltag.

Mit Pilgern hat das also wenig zu tun, mehr mit Ruhe und  Meditation. Mal sehen was so passiert und auf mich zu kommt. Ich freue mich darauf !!!

Karte der ersten Hälfte : 

Karte der zweiten Hälfte : 

Mein Anfangspunkt ist bei der Abtei von Montmajor,ewas früher als Fontveille und mein Endpunkt ist natürlich auf La Batie und nicht in St. Geniez.

 

Der Weg zurück nach La Batie

Am nächsten Morgen sollte es eigentlich regnen und wir wollten daher etwas länger schlafen um uns zu erholen. Irgendwie trieb es uns dann doch früh aus dem Bett und zum Glück hatte sich der Wetterbericht zumindest lokal geirrt.

Nach einem kurzen, aber für französische Verhältnisse opulenten Frühstück ging es los Richtung La Batie. Die 15 Kilometer waren mir ja von diversen Quadtouren bekannt, aber zu Fuß war es dann doch noch einmal eine andere Nummer.

Am Anfang unseres Weges faszinierte uns eine rollstuhlgerechte Treppe deren Rampe sicher auch zum Olympiatraining tauglich gewesen wäre. Schon interessant wie sich doch Vorschriften bezüglich maximalen Gefälle für Rollstuhlfahrer so von Land zu Land unterscheiden.

Der restliche Weg war schön und entspannt, zum größten Teil bergab und gegen Mittag waren wir wieder auf La Batie, wo uns unsere beiden daheim gebliebenen Hund überschwenglich begrüßten.

Danach eine kurze Tour mit dem Landi um unser Auto vom Vortag wieder zurück zu holen.

Schön

ist es gewesen und ein kleiner Vorgeschmack auf das was mich ab Montag erwartet.