Der neunte und letzte Tag, ca.14 Kilometer, 300 Meter Höhe und 25.000 Schritte und

Das war er dann, mein letzter Tag auf diesem meinem ersten Jakobsweg. Als ich morgens aufwachte war ich eigentlich noch guter Dinge auch mein Ziel den Lure Kamm zu überqueren, noch zu schaffen. Doch dann wies mich mein Vermieter darauf hin, dass wir jetzt um 8.30 Uhr schon rund 25 Grad anliegen hätten. Nicht gerade die Temperaturen um bei meiner Kondition ans Maximum gehen zu können. Nach einem schönen Frühstück und nettem Gespräch mit dem Vermieter machte ich mich auf den Weg in Richtung der Les Amarines genannten Hügel vor Aubignosc. Der Himmel war strahlend blau und die Hügel lagen herausfordern vor mir.

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Sieht zwar nicht hoch aus, aber das dauernde Auf und Ab war dann bei den Temperaturen doch nicht ohne. Zuerst ging es Richtung Le Vieux Village .

Auf dem Plateau waren überall Ruinen und Mauerreste verteilt. Die Via Domitia war wohl auch durch dieses Dorf verlaufen.Eine Burg und auch der Rest waren wohl um 1793 zerstört worden.

Für mich persönlich beeindruckend war die Ruine der Kapelle, erbaut um 1532. Es standen nur noch die Außenmauern und die Altarecke mit einem Teil des Dachgewölbes. Wanderer hatten aus den herumliegenden Steinen Kirchenbänke angeordnet und um den nicht vorhanden Altar eine Halbkreis gebildet. Der Ort hatte was sehr schönes und friedliches und lud zum verweilen ein. Als ich dann so auf der Steinbank saß und die Rückwand mit der runden Öffnung betrachtete, bemerkte ich dank meines Iphone Kompass, das die Kapelle genau in West/Ost Richtung gebaut war. So mußte wohl am Abend  ein kreisrunder Sonnenstrahl den Altarraum und vielleicht eine Marienstatue erleuchtet haben.

Anschliessend ging es für fast 2,5 Stunden über herrliche kleine Waldwege Richtung Aubignosc/Peipin.

Als ich dann oberhalb Peipin ankam und beim herauskommen aus dem Wald die Hitze bemerkte, stand mein Entschluss fest mir heute den Lure zu sparen. Zumal hatte das ständige auf und ab Kraxen über Stock und Stein, meiner Fersenblase sehr zu gesetzt. Sisteron und damit La Batie waren zu verlockend und der Lurekamm sah nicht wirklich easy aus.

Ein leckeres Eis in Peipin beendete diese Wanderung und ich ließ mich von Ellipirelli abholen.

Fast 10 herrliche Wandertage waren zu Ende und ich denke es war nicht das letzte Mal, dass ich  so eine Tour mache. Montgenvre bis La Motte du Caire wär sicher auch sehr schön, aber wenn dann im Mai oder Herbst. Mal schauen.

Der achte Tag , 23 Kilometer, 284 Meter kumuliertes Steigen und 42.000 Schritte und ziemlich kaputt

Als ich morgens meine Großunterkunft verließ, traf ich am Platz den polnischen Jakobswegpilger, den ich gestern kurz gesehen hatte. Er hatte sein Zelt schon weggepackt und war gerade dabei sein Frühstück auf der Mauer zu bereiten. Er ging wirklich den kompletten Weg bis Santiago und das mit einem Rucksack von 25 Kilo, wie er mir auf nachfragen  erklärte. So eine  komplette Ausrüstung mit Zelt Gaskocher und Geschirr hat schon so sein Gewicht. Da kämpfe ich mit 20 Kilo über so ein paar Kilometer.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der örtlichen Boulangerie ging ab auf den Weg. Zuerst durchs mittelalterliche Dörfchen Lurs. Vorbei an einem wunderschönen Kreuzweg mit tollen Ausblick lief ich des Weges.

Dann folgte eine Waldpassage mit Abstieg bis zu römischen Brücke von Ganagobie. Diese war nicht so spektakulär und auch den steilen Aufstieg zum Kloster mit direkt folgendem Abstieg zur Landstrasse sparte ich mir.

Die Landstrasse war blöd wie immer und ich musste permanent die Minischnecken aus meinen Schuhen holen, um nicht Gefahr zu laufen neue Blasen zu bekommen. Schon witzig diese Schnecken, sitzen sie doch immer am Ende von Grashalmen oder auf den Pollern der Strassenbegrenzung. Eigentlich ein wenig selbstmörderisch immer in die pralle Sonne zu gehen. Sie suchen wohl den Tau der Nacht auf den Blättern und Pollern und ihre weisse Farbe schützt sie vor dem gekocht werden.So müssen sie nicht wieder runter und können in der nächsten Nacht wieder Tau trinken.

In Peyruis war die Kennzeichnung dann ziemlich schlecht und ich ging einen Weg, der nicht immer der wahre Jakobsweg war. Ich war aber zumindest auf der berühmten Via Dolmitia, der ältesten römischen Strasse die schon damals Rom mit den spanischen Provinzen verbunden hat. Wenn man diesen Weg so lang wandert, hat man schon einen heiden Respekt von den römischen Strassenbauern.

 

Immerhin wurde diese Strasse 120 Jahre vor Christi von Hand gebaut, Stein für Stein von Hand und ohne Teermaschinen. Wenn nicht zu schwere moderne Fahrzeuge  darüber gefahren wären und immer noch tun, läge sie wahrscheinlich noch da wie vor 2100 Jahren.

Irgendwann kam ich dann total geschafft in Chateauneuf Val Saint Donat an und fand auch nach anfänglichen Schwierigkeiten noch ein Zimmer. Leider gab es keine Möglichkeit irgendwo etwas zu essen und so fuhr mich der Vermieter netterweise zum nächsten Supermarkt ( 6 km ) um das Nötigste kaufen zu können.

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Ein Blick auf meine Ferse und auch die ungünstige Streckenteilung der nächsten Strecken brachten mich dazu für Morgen den Abschluss zu planen und von Sisteron aus nach Hause zu fahren. Wenn der Weg von hier nach Peipin gut läuft versuche ich noch über den Lure ins Jabrontal zu kommen um von dort ins Zentrum von Sisteron zu Wandern.

Doch das bedeutet einen  Anstieg auf 1100 Meter und ich weiß nicht ob ich das morgen noch schaffe.

Mal sehen.

Der siebte Tag, 25 Kilometer, 550 Höhenmeter und 48,000 Schritte

 

 

 

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Was soll man sagen, der Tag begann bei herrlichem Wetter auf einer Frühstücksterrasse mit einfach grandiosem Ausblick, netter Bedienung und dem Ausblick meine liebe Ellipirelli gegen Mittag auf dem Markt von Forqualquier zu treffen.

Doch dann legte ich mich im wahrsten Sinne zweimal auf die Nase, einmal Fußknick und einmal Schnürsenkel verhaken. Alles gut gegangen aber irgendwie war die Energie weg. Deshalb braucht ihr heute nicht soviel von meinem Geschwafel zu ertragen und ich kommentiere nur ein wenig die Bilder.

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Denn das Wetter und die Landschaft waren einfach überwältigend schön, ruhig und einsam.

Das hatte zum Glück nichts mehr mit der viel befahrenen Veloroute zu tun und ich war einfach nur happy in der Natur mit solch einem schönen Wetter. Ich wollte so schnell als möglich nach Forqualquier um Ellipirelli zu sehen.

Im Wald fand ich plötzlich eine mittelalterliche Brücke wir mir jemand später erklärte. Wie man sieht hatten auch die Ritter schon einen Mittelstreifen um den Pferdeverkehr zu regeln und Ausweichpunkte für größeres Gefährt.

Plötzlich war ich dann in der Abbaye von Salagnon, ohne Eintritt zu bezahlen , da ich irgendwie über die  Felder von hinten gekommen war.

Durch Mane ging es dann auf dem schnellsten Weg zu meiner Ellipirelli, die in Carlos Cafe auf mich wartete. Wir hatten eine Salatsnack zusammen und sie erleichterte meinen Rucksack um ca. 5 Kilo. Ab sofort war ich leichter unterwegs, was wohl nicht schlecht war ob der Prüfungen die noch kommen sollten.

Nachdem wir uns wieder getrennt hatten ging es 13 Kilometer durch die schöne Landschaft. Am Schluss noch einmal extrem Bergauf um Lurs zu erreichen. Schon blöd, das alle schönen Dörfer in der Provence immer auf Hügeln liegen müssen. Ich war sichtlich und total am Ende.

Belohnt wurde ich von einem herrlichen Ausblick in alle Richtungen und kehrte anschliessend in meiner ersten Pilgerunterkunft ein.

13 Betten allein für mich für 12 Euro, was will man mehr. Lurs war ein hübsches kleines Dorf am Rande des Durancetales und nach einem guten französischen Abendessen bin ich jetzt müde und werde meine Gites communal beziehen.

Der sechste Tag, wieder 24 Kilometer, aber diesmal mit 660 Metern Anstieg und bis zu 20% Steigung und 31.000 Schritten

Nach einem super Frühstück mit perfektem selbstgebackenen Brot und einer Marmeladenauswahl vom Feinsten verabschiedete ich mich kurz vor 10 Uhr von meinen netten Gastgebern um Richtung Reillanne aufzubrechen. Ich hatte vor mindestens bis St. Michel l`Observatoire zu kommen und falls ich dort früh genug wäre, noch die 7 Kilometer nach Marne in Angriff zu nehmen. Doch dazu mehr später.

Kurz hinterm Dorf ging es links ab in die Campagne. Die nächste Station war die Abbaye de Carluc und die Wanderwegweiser zeigten mir, dass es mehrere Wege zur Abbaya gab. Der Jakobsweg war der längste in der Auswahl, und das sollte auch im weiteren Verlauf des Tages so bleiben. Der christliche Glaube war eben noch nie der einfachste Weg.

Aber zu früh ankommen macht auch keinen Spaß und so folgte ich dem wahren Jakobsweg. Ich überquerte die alte römische Brücke von Cereste und erfuhr, dass deren wahres Alter erst vor 20 Jahren bekannt und erforscht wurde. Sie war wohl genau wie die Pont Julien vor Apt , fast 2000 Jahre alt. Diese Brücke wurde auch immer noch als Straßenbrücke genutzt, wenn auch auf 2,5 Tonnen beschränkt, aber immerhin, die deutschen Autobahnbrücken halten nicht so lange.

Dann ging es auf Jakobsumwegen weiter zur Abbay, die sich als Halbruine entpuppte aber trotzdem noch interessant war. An diesem Platz hatten wohl schon die Druiden, lange vor unserer Zeitrechnung, ihre Feten abgehalten.

 

Die nächsten Kilometer führten über Schotterpisten, mal schmal, mal breit aber immer ansteigend. Die Sonne brannte und der angekündigte Mistral war leider noch nicht bis zum Boden durchgekommen. Es war ja noch relativ früh am Tag und ich meisterte die teigung mit Bravour.

Nach  3 Stunden erreichte ich Reillane und wunderte mich über die vielen Autos. Nach dem ich noch kurz ein paar Open Air Kunstwerke eines passionierten Schweißers bewundert hatte erfuhr ich den Grund.

Reillane war en Fete das ganze Weekend. Nachfolgend ein paar kurze Eindrücke. Ich persönlich finde die Dame mit dem Drachen sehr schön. Sie schritt mit stoischer Ruhe durch die Menschenmassen und ihr Hippiefreund folgte versteckt hinter ihr, den Schwanz des Drachen mit einer Stange bewegend. Er hatte offensichtlich seine Erfüllung gefunden denn er lächelte als sei er im Paradies. Irgendwie wieder so ein Aussteigerpärchen, wie sie irgendwie typisch für die Provence sind.

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Ich zog weiter meines Jakobsweges und erreichte schnell das freie Feld. Lange Zeit passierte nichts, bis ich mich mal wieder verlief. An einer schwierigen Stelle war ich dem Hauptweg gefolgt, der sich aber bald in einen schmalen Pfad verwandelte. Das allein will ja noch nichts heißen, aber nach einiger Zeit zeigte ein Blick aufs GPS das ich falsch war. Also wieder zurück zum richtigen Weg, denn mein Navi zeigte mir das eine Abkürzung wegen eines Taleinschnitts nicht möglich war. Die Stelle hatte dann auch keinerlei Hinweis, dass man rechts in einen schmalen Pfad abbiegen musste. Erst hinter einem Baum kam dann auch wieder ein Wegzeichen.  Nachfolgend noch einmal die Situation als Photo und die Frage wo wäret ihr wohl längs gegangen.

Es folgte ein langer Weg über wunderschöne schmale Waldwege. Herrlich das war dann doch schöner als die Veloroute.

Plötzlih sah  ich etwas, was ich eher als Minibunker aus der Eifel kannte. Aber was sollte ein solcher Bunker mitten im Luberon. Beim reinschauen in die Öffnung erkannte ich die Tiefe des Bunkers  und wußte das es sich um einen überdachten Brunnenschacht handelte.Die Kette überzeugte mich dann letztendlich.

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Dann ein Stück leider entlang der Landstraße, um dann steil den Berg hoch Richtung Lincel weiter zu gehen. Hier kam ich dann etwas an meine Grenzen und hätte mich am liebsten mit dem Rucksack in die Ecke geschmießen.

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Aber wie immer ging es weiter in der Hoffnung in Lincel gäbe es eine Bar Tabac mit einem kühlen Pression. Mitnichten. Stattdessen wieder die Wegauswahl. Ich nahm wieder den wahren, aber langen Jakobsweg. War zwar anstrengend aber auch einfach schöner als auf blöden Landstrassen längs zu latschen.

Dann kam leider mein Navi an seine sprichwörtlichen Grenzen, denn die Karte die ich geladen hatte war einfach zu Ende. Also weiter a la carte , wie man so schön sagt. Dummerweise hörten zu gleichen Zeit auch die Wegmarkierungen auf und so wurde die Navigation in der recht undursichtigen Landschaft doch schwierig.

Was soll ich sagen, irgendwann sah St. Michel und stapfte den Berg hoch Richtung Ortschaft. Leider hatte es inzwischen der Mistral ( Nordwind der Provence ) bis zum Boden geschafft und versuchte mich davon abzuhalten. Er hat es nicht geschafft und ich erreichte den Marktplatz mit der typischer Kinderkirmes,  Village en fete wie vorher. Die Südfranzosen feiern eben gern.

Endlich mein Pression in der Bar Tabac. Auf die Frage nach einem Hotel meinte der Patron de Tabac, ich sollte in der Eisdiele nachfragen, die hätten ein Hotel ca. 200 Meter entfernt. Machte ich dann auch und folgte dem Eisdielenbesitzer auf dem Weg zum Hotel, denn da wäre sonst niemand.

Was soll ich sagen , trotz erheblicher Bedenken entpuppte sich das Hotel als super, gerade neu renoviert.

Der Tag war perfekt. Ausruhen, Duschen und dann Essen gehen.

Auch das Essen war wieder super. Irgendwie haben die Franzosen es drauf selbst in der kleinsten Dorfkneipe ein super Ambiente zu schaffen, total französisch eben.

 

ICH LIEBE FRANKREICH

Der fünfte Tag, 25 Kilometer, 480 kumulierte Höhenmeter und wieder nur 30.000 Schritte

Irgendwie habe ich mich wohl inzwischen eingelaufen und brauche weniger Schritte trotz Höhenanstieg. Morgens sah es zwar noch nicht so aus, als ob ich in Form wäre, denn meine Fersenblase schmerzte schon stark. Ich trottete also los und versuchte das Zentrum von Apt zu umgehen, da wie jeden Samstag, der sehr beliebte Markt stattfand. Da wir beide selbst vor 5 Wochen dort waren, war mir klar, dass ich mit dem Rucksack nur sehr langsam durch das Gedränge kommen würde. Also immer brav am Rand lang.

Die Schmerzen am rechten Fuß veranlassten mich, den Jakobsweg über Saignon nicht zu gehen, da dies einen Anstieg von 300 Metern zur Dorfbesichtigung und direkt anschließenden einen dem entsprechenden Abstieg bedeutet hätte. Ich beschloss stattdessen wieder meiner bekannten Veloroute zu folgen, bis der Jakobsweg wieder zu mir stoßen würde. Doch erst einmal brauchte ich eine Apotheke, um mir ein vernünftiges Fersenpflaster zu besorgen. Eine liebe Bekannte vom letzten Skiurlaub hatte mir per Whats App den Tipp gegeben es mit Compeed Pflastern zu versuchen, was mir beim Apotheker ein Lob einbrachte, weil auch er der Meinung war, das seien die Besten. Danke noch einmal Brigitte.

Nachdem ich das Pflaster gemäß Anweisung befestigte hatte, war ich gespannt was passieren würde. Es wirkte wirklich.Wie hoch der physische Anteil, bzw. der psychische Anteil war vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls war es auch nach 24 Kilometern noch an der gleichen Stelle wie am Morgen und ich hatte die Strecke bemerkenswert problemlos geschafft.

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Die Veloroute war zwar bedeutend eintöniger als die schönen Waldwege der Alpillen, war aber für meine geplagten Füße eine Erholung. So trottete ich dann Kilometer für Kilometer Richtung Cereste, vorbei an surrealistischen Teermalereien der Arbeiter des Conseil General, alten Bahnhöfen der Eisenbahnlinie auf der die  Veloroute gebaut war, Lavendelfeldern und avantgardistischen Installationen  von Einzelkämpfern mit Velobackground. Die alte Wohnwagenbar war leider geschlossen und so trottete ich weiter.

Plötzlich kamen mir zwei andere Wanderer entgegen. Die beiden erklärten mir, dass sie wie ich auf dem Chemin de Compostelle unterwegs waren, nur in die richtige Richtung. Sie wären vor 15 Tagen an der italienisch/französischen Grenze, dem Pass Montgenevre  losgegangen und wären auf dem Weg Richtung Arles. Wir wünschten uns noch Bon Rando bzw. Chemin und liefen in verschiedene Richtungen weiter.

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Es folgten viele Kilometer ohne einen Menschen aber mit viel schöner Natur.

Als mir irgendwann klar wurde das wohl für heute Cereste mein Maximalpunkt sein würde, beschloss ich, mir eine Unterkunft in diesem Ort zu suchen. Ich bekam am Telefon die Auskunft noch frei, aber könnten sie bis vier da sein, denn wir müssen dann weg.

Bei ca. 6 Kilometern Distanz war es für mich schwierig dies zu beantworten und wir beschlossen uns um halb vier noch einmal kurz zu kontakten. Es stellte sich heraus, ich schaffe es nicht, auch deshalb, weil ich mich noch einmal kurz verlief. Diesmal nicht wegen einer hübschen Französin mit Hund, sondern wegen eines schönen Orts den ich versehentlich für Cereste hielt.

Ich bekam noch eine halbe Stunde Aufschub, nachdem ich verkündete, dass ich am Fuße des Hügels angekommen sei  auf dem Cereste wohl liegen müsste.

Den steinigen Weg den Hügel hinauf musste ich dann fast hoch joggen, um in der Zeit zu bleiben. Dies gestaltete sich natürlich mit 20 Kilo auf dem Rücken etwas schwierig. Ich meldete gegen Ende der halben Stunde Verlängerung, Dorfschild passiert, erste Häuser in Sicht. Die Dame des Hauses sagte, super,  wir sind gegenüber der Kirche zu finden.

Ich war happy, ahnte jedoch nicht, dass der Dorfkern mit Kirche noch rund 1,5 Kilometer entfernt waren, was den Zeitplan der Vermieter etwas durcheinander brachte. Wir alle waren happy, als ich dann ankam und nach kurzer Einführung verabschiedeten sich die Vermieter auf ihre Tour.

Das Haus und auch das Zimmer waren sehr schön und 100 Prozent das Gegenteil von meinem Naturcampingplatz bei Coustoullet. Das Vermieterpaar hatte mich noch mit einem Heineken ausgestattet und mir alle Lichtschalter etc. gezeigt und so kam ich selbst und allein zurecht.

Ich beschloss das wundervolle Ambiente zunächst einmal dazu zu nutzen, mich in der Badewanne von den Strapazen des Tages zu erholen. Ich glaube ich habe fast 40 Jahre nicht mehr so ein Teil benutzt. Auf jeden Fall erinnerte es mich an meine Kindheit in Aldekerk vor mehr als 55 Jahren. Sehr entspannend nach so einer Wanderung und ich wäre fast eingeschlafen.

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Aber essen wollte ich auch noch und vor allen Dingen, meinen Bericht diesmal vor Mitternacht ins Netz bekommen. Also raus aus der Wanne und rein in die Klamotten und runter ins Dorf.

Bei zwei kleinen Pression hatte ich den Anfang des Berichts fertig. Bei der Suche nach einem Lokal für meinen Magen kam ich an einer Platane vorbei, die sich scheinbar seit Jahren dagegen wehrte, dass irgendein französischer Idiot, ein großes Thermometer an ihr befestigt hatte. Das Thermometer ging schon lange nicht mehr, konnte aber nicht mehr entfernt werden. Ich werde in den nächsten Jahren mal nachschauen wann die Platane das Thermometer ganz verspeist hat. Ach ja das Lokal für meinen Magen. Was soll ich sagen, ich fand eins, fühlte mich wohl wegen des schönen Ambientes sehr wohl, hab super lecker französisch gegessen und dürfte auch noch bei einem Wein bleiben um diesen Bericht zu schreiben.

 

Jetzt bin ich müde, zufrieden mit dem Tag und dem Essen und habe wieder mal intensiv gespürt  wie gerne ich in Südfrankreich lebe. Ach ja und die in Deutschland  schon nicht mehr existenten SPAR   Läden gibt hier immer noch.

Schlaft gut und bis morgen,

Der vierte Tag, 24 Kilometer plus 6 gefuschte mit 30.000 Schritten

Am Anfang möchte ich noch einen Link meines Fliegerkumpels Holger Linnartz zum Thema  Nationalstraße 7 einfügen. Mit diesem Chanson im Ohr wäre ich wahrscheinlich die National 7 lang geschwebt.

Nach fast einer Stunde, wegen des ach so schnellen Internets hatte ich dann endlich meinen Lagebericht von gestern online gestellt und versucht meine Rechnung zu begleichen. Leider dürfte auf diesem Campingplatz nur der Patron denken und der war mal gerade wieder für eine halbe Stunde „  who knows  „ .  Um elf Uhr war ich dann wieder auf der befahrenen Landstraße von gestern und kämpfte mich zu meinem  Abbruchpunkt von gestern zurück.

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Die Landstraße war mal wieder eine Prüfung, da sie recht schmal war und stark befahren. Dazu kam, dass die französischen Straßenarbeiter , Conseil General  genannt, in vielen Jahren durch, Learning by Doing, eine spezielle Technik für die Erneuerung der Straßen entwickelt hatten. Sie ließen die alte kaputte Fahrbahndecke einfach als soliden Untergrund bestehen und machten einfach eine neue Decke oben drauf.  Eigentlich eine super Idee, wenn man nicht am Rand derselben lang wandern muss.

Seit dem letzten Krieg waren ja schon ein paar Jahre vergangen und dementsprechend viele Erneuerungen nötig. Das Ergebnis war an vielen Straßen eine extrem hohe Kante am Rand. Diese Kanten waren leider nicht immer durch Müll und Dreck ausgeglichen worden, so dass man immer aufpassen musste sich nicht den Fuß abzuknicken.

Nach einer guten halben Stunde war ich wieder am gestrigen Point of Return. Von dort und zwischen Coustellet und Beaumettes bewegte ich mich auf einer perfekten Velo-Autobahn und erntete viele mitleidige Blicke der vorbeidüsenden Fahrradfahrer. Die Sonne brannte gnadenlos, da die Piste wohl noch recht neu war und keine großen Bäume als Schattenspender besaß.

Zum Glück hatte ich ja kurz vorher einen neuen Sonnenhut erstehen können und ich kontrollierte permanent meinen Schatten um zu sehen ob er noch da war. Hat auch etwas meditatives die ganze Zeit dem Schatten seines Hutes hinterherzulaufen.

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Nach fast zwei Stunden hatte ich dann endlich das Hotel erreicht, in dem ich gestern ein Zimmer buchen wollte. Zum Glück war nichts frei gewesen, denn bis dahin hätte ich es nicht mehr geschafft. Die Inhaberin erklärte mir aber, heute hätte sie was frei ich könnte ja bleiben, wozu ich um die Zeit noch keine Lust hatte.

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Weiter ging es unter herrlichem Segelfliegerhimmel Richtung Apt zu meinem nächsten strategischen Ziel der Pont Julien Romain. Ich erspare euch die vielen Versuche über Internet, Telefon oder Booking.com eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Auch das Internet auf La Batie hatte sich gegen mich verschworen, so daß auch Ellipirelli mir nicht helfen konnte.

Ich erreichte die Brücke, die wirklich sehr sehenswert war und beschloss einfach weiter zu gehen um zu sehen ob der Reiterhof, den ich als Ziel hatte, vielleicht doch auf hatte. Er hatte nicht, war quasi von der Bildfläche verschwunden und war deshalb auch nicht mehr telefonisch erreichbar.

Also ein letzter Versuch per Booking.com und ????? kein 3G und null Erfolg. Also weiter wandern bis wieder besserer Empfang verfügbar war. Es ging nach 500 Metern und ich konnte ein Zimmer bei Ibis Budget buchen, sogar kostenfrei stornierbar, falls ich vorher zusammenbrechen würde, da die 5 Kilometer zuviel gewesen wären,IMG_5766

Der rettende Engel kam in Form eines GLS Fahrers, den ich bei seiner Abholung in der Pampa ansprach und der mich bis zum Ibis Hotel in Apt mitnahm.

Jakob verzeih, wegen der 6  getürckten Kilometer. Jetzt weiß ich auch wieder die gefühlte und echte Differenz zwischen 6 gelaufenen oder per Auto gefahrenen Kilometern.

 

Der dritte Tag, 23 Kilometer mit nur 30.000 Schritten. Weiß gar nicht wie ich das gemacht habe

Irgendwie habe ich wohl heute meinen Motivationstiefpunkt. Nachdem ich so eine halbe Stunde halb geschlafen habe, geht es nun besser und ich kann meinen Tagesbericht schreiben.

Am frühen Morgen wurde ich durch das prasseln des angekündigten Regenwetters geweckt und ich beschloss, noch etwas im Bett zu bleiben, zumal die Wirtin mir ein Frühstück bis 10 Uhr zu gestanden hatte. Um halb 10 tauchte ich dann im Gastraum der Fernfahrerkneipe auf. Mein italienischer Brummi Pilot, der mich gegen Mitternacht zu zwei letzten Weinchen eingeladen hatte war natürlich schon weg, da er ja um 8 Uhr in Cavaillon seine Ladung abliefern musste. Er hatte mir jedoch fest versprochen, dass er mit seinem Wohnmobil vorbeikommen wollte und super Pasta für mich kochen würde.

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So fand ich mich allein in der Kneipe mit der Bedienung und, ach ja einem weiteren Bekannten von gestern Abend, der mir an der Theke stolz Bilder von seiner einjährigen Tochter gezeigt hatte. Die Mutter war wohl die Bedienung von gestern, auf die er wohl aufpasste wenn sie noch spät in der Fernfahrerkneipe arbeitete.

Nach dem Frühstück packte ich mein Zeugs und versuchte, aus Gründen der Optimierung, so viel Gewicht als möglich nach unten zu packen.

Gegen halb elf trottete ich los und versuchte am Rande der N7 lebend weiter zu kommen. Das klappte zum Glück und ab Orgon war ich dann wieder abseits der Hauptstraße auf dem wahren Jakobsweg unterwegs.

Ich bemerkte auch freudig, dass meine Optimierungsarbeiten sichtlich Erfolg zeigten und meine Schultern die Situation akzeptierten. Dafür rebellierten heute meine Füße umso mehr. Leichte Regenschauern konnten meine Motivation auch nicht heben und so erreichte ich nach 2 Stunden ziemlich kaputt Cavaillon. Die Stadt lag schon zu Römerzeiten und auch heute noch mittig auf der Achse Lyon Marseille und war daher ein bedeutendes Transportzentrum der Römer. Auch heute gibt es hier noch genügend LKW s und Speditionen

Was macht ein guter Franzose mittags, Essen natürlich und ich beschloss als eingebürgerter Südfranzose das nächste Bistro aufzusuchen. Mein Nachbar genoss gerade das bekannte französische Gedeck,  Pastis und anschließend ein Viertel Rose, plus Menue natürlich.

Ich gab mich mit einem Pression zufrieden und bestellte einen Salatteller mit Poulet, welcher so groß ausfiel das ich es nicht schaffte ihn auf zu essen.

Die Sicht zum Himmel veranlasste mich beim Aufbruch zumindest meine Windjacke anzuziehen, was auch zunächst mit Regentropfen belohnt wurde. Dann überlegte es sich das Wetter jedoch anders. Nach 1 Kilometer war ich nass  geschwitzt. Also Rucksack wieder runter und Jacke aus . Man muss dazu sagen, dass Rucksack runter ja auch zwangsläufig bedeutet, Rucksack wieder rauf. Und Rucksack wieder rauf ist schon verdammt blöd bei 20 Kilo und keiner Mauer in der Nähe.

Ich kam aus der Stadt heraus nachdem ich mich kurz verlaufen und den rechten Weg Jakobs verloren hatte. Böse Zungen könnten behaupten, dies könnte an einer jungen Südfranzösin liegen, die in einem feschenTrainingstrikot ziemlich selbstbewusst mit ihrem Hund vor mir her spazierte.

Dann folgte ca. 8 Kilometer fast schnurgerader Weg nach Coustellet. Tafeln am Rand wiesen mich darauf hin das ich mich auf der berühmten Via Domitia bewegen würde. Leider war sie inzwischen geteert, was gar nicht gut für meine Füße war. Sie streikten immer mehr und gaukelten mir diverse Blasen vor.

Ich versuchte die in den letzten Wochen gelernten Meditationstechniken von Mister Russel. Aber selbst das volle Einlassen auf den Schmerz brachte nicht den gewünschten Erfolg. So beschloss ich 5 Kilometer vor meinem angestrebten Ziel abzuklären ob das einzige Hotel bereit wäre mir ein Zimmer zu geben. Sie waren es nicht, weil ausgebucht. Mist, also dann die einzige Alternative der Campingplatz den ich vor ca 2,5 Kilometern passiert hatte. Der Patron hatte ein Mobilhome für mich für 30€, aber leider nichts zu essen. Nur Bier und Wein hätte er genügend da.

Die offene Gastscheune des Campingplatzes war so ein Mittelding zwischen Obstsortierraum, Lagerschuppen und etwas Platz für die Gäste. Aber es gab Free Wifi und außerdem war die Saison ja noch nicht im Gang , was den Patron entschuldigte.

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Beim Biertrinken fand ich dann die Karte eines Pizzaservices, die aber erst ab 2 Pizzen liefern würden. Die Bedienung hatte auch Hunger und bestellte sich eine Pizza mit und wir hatten die nötigen zwei zusammen.

Die Pizza und selbst der Wein konnten mich nicht aus meinem Motivationstal holen und erst nach besagtem Kurzschlaf ging es besser. Zum Glück war zu der vorhandenen Blase keine  weitere hinzugekommen und mit dem bekannten Franzbranntwein konnte ich meine Schultern verwöhnen.

Damit Schluss für heute. Drückt mir die Daumen das es morgen besser läuft.

Bon Nuit !!!!!

Die Sonne hat mich geweckt, das schöne Wetter ist zurück. Noch ein letzter Gang zur Vielzweckhalle und dann werde ich mich auf den Weg machen und mein Mobilheim zurücklassen. Klemmende Türen, unebener Boden , kaputte Fensterbeschläge haben mich überzeugt, dass das nichts für La Batie wäre . Dafür war die Matraze sehr gut und das Wasser warm, was für mich die beiden wichtigsten Positionen waren.  Bei behandeln meiner großen Fersenblase stellte mit dem extra mitgeführten Blasenpflastern stellte ich fest, dass neben der nicht vorhandenen Größe ein weiteres Problem bestand. Die wahrscheinlich chinesischen  Lieferanten der Firma Lidl hatten hier eindeutig Gewinnmaximierung betrieben, indem sie nur 2/3 der Einzelpackungen mit Pflastern befüllt hatten.

Nach meinen Erfahrungen in China hatte ich auch nichts anderes erwartet.

Der zweite Tag, schon wieder 24 Kilometer, 150 Meter kummulierte Höhe und 41000 Tausend Schritte

Auch der zweite Tag meiner Wanderung ist nun zu Ende und nachdem ich nun gesättigt am Rande der Nationalstrasse 7 sitze, habe ich endlich die Zeit den Tag Revue passieren zu lassen. Die Autos donnern mit genügend Krach vorbei, so dass ich nicht Gefahr laufe einzuschlafen.

Trotz der Anstrengungen des Vortages wachte ich relativ früh auf und versuchte zuerst einmal zu erfühlen ob meine Füße wieder einigermaßen einsatzfähig wären. Alles fühlen half nichts, ich musste aus dem Bett  und siehe da es ging wieder bei weitem besser, als am Vorabend, als ich das Gefühl hatte ich wäre behindert.

Also runter zum Petit Dejeuner, wo ich mich an einer langen Tafel zusammen mit den anderen Gästen und dem Patron wiederfand. Na ja, die Länge der Tafel hielt sich Grenzen, da wir nur 5 Gäste waren.

Ein älteres englisches Pärchen, das seit 15 Jahren Stammgast war und ein französisches Paar, welches bald zum ach so berühmten Wochenmarkt von St .Remy entschwand. Ich war also mit dem Patron alleine und wir unterhielten uns über alles Mögliche. Nachdem ich ihm sagte, dass ich viele schöne Häuser gesehen hätte meinte er, dass man die richtig schönen nie sehen könnte, da sie so abgeschirmt wären. Gerade hätte Hughes Grant ein Haus für mehrere Millionen gekauft.

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War jetzt für mich nicht so wichtig und so unterhielten wir uns über die Probleme mit den Behörden bei der Unterhaltung von Schwimmbädern und den Sinn und Unsinn einer automatischen  Chlor Dosierung . Ich gab ihm noch eine gute Internetadresse mit dem günstigsten Preis für ein solches Teil und machte mich langsam daran aufzubrechen.

Bei der Bezahlung meinte er mein nächstes Ziel Eygalieres ( laut Plan 13 Kilometer ) wäre gar nicht so weit weg und so brach ich frohen Mutes auf.

Irgendwie hatten wir andere Vorstellungen von gar nicht so weit. Es dauert ewig bis ich mein  erstes Zwischenziel, den Flugplatz von St. Remy erreichte. Leider gab es keinerlei Flugbetrieb und auch an Schatten mangelte es leider. Bei einer kurzen Rast stellte ich fest,  das das Schmerzproblem am rechten Fuß von einer Blase herrührte, aber was sollte ich machen. Ich ignorierte die Blase einfach, was mir nicht schwerfiel auf Grund der anderen Problemstellen.

Mir schwante fürchterliches und so schleppte ich mich nach kurzer Rast weiter.

Irgendwann erreichte ich dann ziemlich kaputt den Ort und setzte mich in ein Kaffee um mich zu stärken. Sandwich gab es nicht und so wurde dieses durch ein zweites Pression ersetzt, was dazu führte, dass ich beim weg gehen meinen Sonnenhut vergaß. Leider schrie die Bedienung nicht hinter mir her und so realisierte ich 3 Kilometer weiter, dass sich an meinem Schatten etwas verändert hatte. Der Kopf sah irgendwie anders aus und mein nachtasten ergab, dass der Hut fehlte. Kismet.

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Irgendwie brachte mir die Sonne dann bald auch eine neue Erkenntnis, als ich wieder einmal nach Wegmarkierungen suchte. Schau dich ab und zu mal um, denn dann sie du die Zeichen für die wahren Jakobspilger,  die in die richtige Richtung gehen. Scheint so als ob deren Ankommen wichtiger ist als der Verrückten die es anders herum versuchen.

Dies beweist mal wieder das verkehrt herum denken oft neue Erkenntnisse bringt.

Der weitere Weg unter teilweise bedeckten Himmel führte dann zu einer Diskussion zwischen mir, meinen Füssen und meinen Schultern, bezüglich der potentiellen Belastbarkeit. Meine Füße hatten wohl inzwischen trotz der Blase aufgegeben, bzw. erkannt, dass sie weiter laufen müssten, falls sie ankommen wollten um Ruhe zu haben.  Meine Schultern hofften wohl immer noch, dass ich auf Grund der Vielzahl der Schnallen an meinem Rucksack in der Lage wäre, die Gewichtsbelastung des 20 Kilo Rucksacks zu reduzieren. ( Böse Stimmen behaupten, Alles über 12 Kilo wäre Wahnsinn, aber wegschmeissen wollte ich Noch !!!! nichts ).    Ich versuchte dann übers Internet, wow was ist heute alles möglich, Wege der Optimierung zu erforschen, fand aber nichts wirklich Hilfreiches.

Na ja, ich musste und wollte weiter und so hoffte ich das die Sonne Gnade walten lassen würde. Sie tat es leider nicht und die letzten Kilometer zogen sich mehr und mehr,

Kurz vor Orgon machte der Jakobsweg dann noch einen christlichen Schwenker nach rechts durch die schöne Landschaft. Die Verdoppelung der Distanz zu meinem Ziel und der Zustand meiner Füße und Schultern führte jedoch dazu, dass ich den direkten Weg über die Landstraße bevorzugte. Ich hoffe Jakob wird mir das verzeihen.

Auch wenn die Franzosen auf mich fast so viel Rücksicht nahmen wie auf Motorradfahrer, führte die Breite der Straße, die nicht genügend Platz bot für zwei Autos und einen schier unnötigen Wanderer, zu einigen brenzligen Situationen.

Irgendwann erreichte ich endlich Orgon. Ein schöner kleiner Ort, nur leider kein Hotel in der Nähe des Zentrums, wo ich mich gerade befand. Also weiter gewandert bis zur Nationalstraße 7, wo ich in einer Bar nach einem Hotel fragte. Der Wirt meinte ca. 1 Kilometer Richtung Senas gäbe ein solches.

Also dann mal los. Bald ging es wirklich nicht mehr und ich hielt bei einem Gebrauchtwagenplatz an.

Der Nordafrikanische Südfranzose bot mir zuerst einmal eine Flasche kalten Wassers an und meinte auf meine Frage nach einem Taxi, das Hotel wäre nur noch einmal 500 Meter weiter.

Ich muss wohl ziemlich verzweifelt dreingeschaut haben, denn er bot mir an mich dahin zu fahren.

Er war sichtlich beindruckt von der Tatsache, dass ich so alleine diese Distanzen wandern würde und meinte zu seinem Kollegen das wäre doch eine tolle Sache um den Alltagsmist los zu werden.

Das Hotel war eine Fernfahrerkneipe und ich ergatterte für 51€ ein Zimmer inclusive Abendessen und Frühstück. Auch Wlan war kostenlos verfügbar. Quelle luxe! Ich bekam den Schlüssel, eine Fernbedienung für die Klimaanlage und eine für den Fernseher.

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Das Abendessen war Fernfahrermäßig sättigend und mit ausreichend Wein versehen, so dass ich jetzt entspannt den Tagesblog schreiben kann.

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Die Jungs sind gerade etwas in Rage wegen des Fußballspiels Frankreich gegen jemand anderes, weil es passiert nichts, aber es geht und man kann noch schreiben, obwohl ich wegen etwas Regen nach drinnen wechseln musste.

So langsam ist auch dieser Tag zu Ende und ich bin mal gespannt was der für Morgen angekündigte Regen so macht. Ich denke ich werde meine Distanz morgen etwas verkürzen um meinem Zustand und dem Wetter gerecht zu werden.

Mein Jakobsweg, der erste Tag fast 29 Kilometer und 550 Meter kummulierter Höhenanstieg

Was für ein Anfang. Wir fuhren nach einem ruhigen Frühstück zu meinem Startpunkt der Abbaye de Montmajor. Ich hatte mir die Abbaye etwas kleiner vorgestellt, so wie die  vielen anderen Klöster die es in unserer Gegend gibt. Was uns dann nach 10 Minuten Autofahrt erwartete war wahrhaft monumental und erinnerte mich wegen der Optik ein wenig an das Heidelberger Schloss, welches wir zusammen mit meiner Tochter Nina vor zwei Jahren besichtigt hatten.

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Der Gebäudekomplex war wirklich beeindruckend und obwohl vollkommen unmöbliert, auf jeden Fall einen Besuch wert.

So war der Zeitaufwand auch größer als vorhergesehen und ich war erst gegen 12 Uhr letztendlich bereit zum Aufbruch.

Nachdem Ellipirelli mich abgesetzt hatte, sollte ich laut Plan einen Reiterhof passieren und dann durch einige Hügel Richtung Fontvieille wandern. Schon hier viel die spärliche Beschilderung auf  und da ich leider vergessen hatte die hiesigen Karten auf mein Wandernavi zu laden, war mein Jakobsweg wohl etwas anders als der Weg der anderen Wanderer. Nichts desto trotz erreichte ich Fontvieille recht schnell, was mich dazu veranlasste meinen ersten Erfolg mit einem kleinem Pression zu würdigen.

Nach 15 Minuten ging es weiter und so erreichte ich gegen 14 Uhr den Point of Decision, wie man so schön sagt.

Sollte ich mich jetzt schon auf dem erreichten Campingplatz zur Ruhe begeben und den ersten Tag damit abschliessen oder sollte ich es wagen die Strecke durch die Berge der Alpillen nach St. Remy de Provence in Angriff zu nehmen..

Ich hatte zwar schon 6 Kilometer mit  4 km/h hinter mir, aber vor mir lagen 23 Kilometer bis St. Remy und das durch die Alpillen.

Wer nichts wagt der nicht gewinnt, also dann man los , auch wenn es bedeuten könnte, das ich es nicht schaffe und irgendwo in den Bergen auf dem Boden übernachten müßte, ohne Essen und vor allen Dingen ohne Wein. Schreckliche Vorstellung, aber ich wollte es mir beweisen.

Nach 2 Kilometern den Berg hoch bereute ich schon meine Entscheidung, zumal ich mich das erste Mal ein wenig verlief.

Nachdem ich den rechten Weg wiedergefunden hatte ging es weiter durch die Wälder der Alpillen. Kilometer um Kilometer gefühlt mehr bergauf als bergab und wegen der Breite des Weges leider immer in der Sonne.  Meine Energie ließ so langsam nach und so sehnte ich jedes neue Schild mit Kilometerangaben herbei.

So gegen 18 Uhr erreichte  ich dann ein Schild welches mir vorgauckelte es wären nur noch 7 Kilometer nach St. Remy. Hier traf ich dann auch wieder die ersten Menschen, Tiere hatten sich wegen der   Sonne eh ist Unterholz verkrochen und waren daher nicht aufgetaucht. Leider handelte es sich um Mountainbiker, die schnell denn Weg lang düsten und  meine Motivation nicht wirklich hochpuschten.

Na Ja , wo ein Wille da auch ein Weg und so trottete ich weiter die Berge hoch und runter, immer in der Hoffnung , das dies zumindest das letzet Mal hoch wäre. Irgendwann ging es dann wirklich nur noch runter. Vorher hatte ich mich noch leicht verlaufen und mußte wieder zurück. Die Abkürzung erwies sich als sogenannte End Challenge und forderte den Rest meiner Energie.

Anschliessend ging es nur noch Bergab und sogar auf normalen Strassen, aber das konnte meine Füße in keiner Weise beruhigen, sie hatten einfach die Schnautze voll von dem Menschen oberhalb mit seiner bekloppten Idee.

Zur Unterstützung meldeten sich auch noch die Schultern die den immer schwerer werdenden Rucksack nur noch satt hatten.

Wenn ich dann mal einen Stein fand um mich zu setzen und den Rucksack auszog , kam ich mir vor wie ein Astronaut auf dem Mond. Ich mußte aufpassen nicht abzuheben vor lauter Leichtigkeit. Dafür war das nachfolgende Aufschultern des  Rucksacks umso schlimmer.

Man soll  es kaum glauben, aber irgendwann erreichte ichSt. Remy und nahm das erste Hotel, an dem ich vorbei kam.

Etwas anders, aber nicht zu teuer und mit einem großen Bett.

Essen gab es leider nicht und so mußte ich wieder zu Fuss Richtung Stadtcentrum laufen. Zum Glück gab es schon nach 300 Metern ein Lokal, viel weiter wäre ich auch nicht gekommen.

Dachte erst es wäre geschlossene Gesellschaft, aber die Bedienung meinte, wenn es für mich wegen der Musik okay wäre könnte ich gerne bei ihr essen.

Sie erklärte mir, die Gesellschaft wären lauter Krankenschwestern die ein Seminar hätten und zu einer Verkaufsveranstaltung einer Pharmafirma eingeladen wären, sozusagen eine Tupperparty für Krankenschwestern.

Was solls, das Essen war okay und ich eh müde genug, so dass ich dann irgendwann happy in meinem Zimmer und Bett ankam.

Ich verwöhnte meine Füße und Waden noch einmal mit etwas Franzbranntwein und freute mich auf eine erholsame Nacht.

In diesem Sinne :  Bon Nuit!!!!!!

Arles, Sightseeing vor dem Start, morgen Früh

Heute sind wir dann bei bestem Segelflugwetter Richtung Arles aufgebrochen. Schon witzig, daß immer dann das schönste Segelflugwetter ist, wenn man etwas anderes vorhat. Na ja zum Sightseeing waren die fast 30 Grad Außentemperatur auch nicht wirklich geeignet.

So hielten sich die Aktivitäten dann auch in Grenzen und wir waren recht früh auf dem städtischen Campingplatz. So hatte ich genügend Zeit mir meine Wanderoute auf den Karten zu markieren.Ein Kabelbrand in der Kühlbox unseres Camp-Vitos unterbrach diese Aktivität kurzfristig und sehr plötzlich, aber er steht noch, zum Glück. Auch der Kühlbox war es wohl zu heiß um weiterzuarbeiten.IMG_5611

Beim Abendessen dann, wie so oft in den letzten Tagen, der Blick auf Meteoblue.

So,So, alles kann und hoffentlich Nichts muß. Na ja, vor dem Abendessen kam dann zuerst einmal eine kurze Schauer, die uns einen schönen Arc du Ciel bescherte.


Das wärs zuerst einmal für heute. Die englischen Fussballfans hier in der Campinplatzkneipe laden einen nicht wirklich zum weiteren verweilen ein und so geh ich dann mal so langsam schlafen und träum von meinem Jakobsweg.